von Markus Zimmermann (Kommentare: 0)

Veränderungesbedarf erkennen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt ein altes Sprichwort, das bei uns im Allgäu vielleicht noch ein bisschen mehr Gültigkeit hat, als anderswo. Es fällt in der Regel schwer, sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten, Arbeitsweisen und ganzen Geschäftsmodellen zu verabschieden.

In jedem Wirtschaftsmagazin werden wir Leser inflationär mit Modebegriffen wie Change und Change-Management konfrontiert. Dabei ist das Thema so alt, wie das Berufsunternehmertum. Unternehmer und Unternehmen müssen rechtzeitig erkennen, wenn sich ihr Geschäft verändert.

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Beispiel: Mein erster, erlernter Beruf war Bankkaufmann. Wenn die damals älteren Kollegen erzählt haben, waren 10 Jahre im Bankgeschäft der sechziger und siebziger Jahre eine ziemlich konstante Sache. Das Geschäft hat sich damals nicht groß verändert. Betrachtet man hingegen die 10 Jahre seit Ausbruch der Finanzkrise, darf man feststellen, dass sich das Banking gerade in ländlichen Banken ganz grundlegend verändert hat.

Der reine Handel mit Geld führt aufgrund der Nullzinspolitik der EZB zu stetig sinkenden Margen. Direktbanken attackieren die bisherigen Filialstrukturen der Universalbanken in allen standardisierten Produktkategorien wie Kontoführung, Brokerage, dem Vertrieb von Fonds oder auch Baufinanzierungen mit unschlagbaren Preisen. Das Geschäft mit Zahlungsdienstleistungen haben sich innovativere Unternehmen wie PayPal und WireCard geschnappt. Es sind andere Zeiten, als Ende der 80er-Jahre.

Was können wir kleine und mittelständische Unternehmer aus einem solchen Beispiel ableiten? 

  • Früher war der Vorlauf länger. Man hatte mehr Zeit sich auf eine neue Entwicklung einzustellen – oder hätte sie zumindest gehabt.
  • Damals waren primär Produkte und Dienstleistungen von Veränderungen betroffen. Heute geht es oft um das gesamte Geschäftsmodell. Hätte mir damals als Azubi jemand gesagt, dass auch das Geschäftsmodell einer Bank wegrutschen kann, ich hätte denjenigen glatt für verrückt erklärt.
  • Weil es heute oft um das gesamte Geschäftsmodell geht, werden Veränderungsprozesse komplizierter. Einzelne Ideen – und seien sie noch so gut – mögen die Grundlage für gelungene Veränderungen sein. Eine Garantie für künftigen Erfolg sind sie noch lange nicht. Die Umsetzung von der Idee zum Geschäft wird komplizierter.

Bedauerlicherweise neigen wir alle, gerade im Erfolg, zur Trägheit. So reagieren die meisten Unternehmer auf offensichtlichen Veränderungsbedarf meist erst, wenn die Gewinne sinken oder noch schlimmer die Liquidität bereits knapp wird. Dann ist es jedoch meist schon zu spät, um aus eigener Kraft den Kurs korrigieren zu können.

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Es besteht also eine große Notwendigkeit für Unternehmer verschiedene Veränderungsnotwendigkeiten möglichst frühzeitig zu erkennen. Dabei können verschiedene, selbstkritisch beantwortete Fragen helfen.

  • Was ist der Kundennutzen? Helfen dem Kunden unsere Produkte und Dienstleistungen heute noch im gleichen Maße wie früher? Werden vom Kunden auf einmal neue Fähigkeiten nachgefragt? Wofür bezahlt unser Kunde seine Rechnungen (gerne)?
  • Entstehen mitten in unserem Geschäft neue Wettbewerber? Handelt es sich dabei um echte Gründer oder tritt plötzlich Konkurrenz aus bisher anderen Branchen in unserem Geschäft auf?
  • Entwickelt sich unser Geschäft zu einem reinen Preisgeschäft? Der billigste bekommt in der Regel den Auftrag?

Es ist für kleine und mittelständische Unternehmen von großer Bedeutung, dass sie in der Lage sind ihren Erfolg regelmäßig in aller Offenheit zu hinterfragen. Unternehmen müssen erkennen, wenn sie sich bürokratisieren, langsamer, komplizierter und träger werden. Um neue Entwicklungen rechtzeitig aufnehmen zu können, bedarf es intern einer Kultur der Veränderungsbereitschaft und des Leistungswillens.

Der Veränderungswille und die Veränderungsfähigkeit eines Unternehmens muss mindestens gleich stark ausgeprägt sein, wie die des Marktes indem das Unternehmen agiert. Ist dies nicht der Fall, bleibt das Unternehmen hinter dem Markt zurück. Es bleibt dann in seiner Vergangenheit stecken.

Veränderungen kosten Kraft. Veränderungen nehmen Sicherheit. Veränderungen sind deshalb meist nicht sehr beliebt. Veränderungsprozesse bedürfen deshalb verantwortlichen, unternehmerischen Handels. Für erfolgreiche Veränderungen braucht es bei allen Beteiligten vor allen Dingen Vertrauen. Die beteiligten Menschen müssen entsprechend abgeholt werden. Gerade Mitarbeiter haben ein feines Gespür dafür, ob Veränderungen tatsächlich wichtig sind, um das Geschäft nachhaltig zu sichern oder nur kurzfristige Profitziele erreicht werden sollen. Mitarbeiter, die das notwendige Vertrauen entwickelt haben, werden engagiert helfen die anstehenden Veränderungsprozesse in der Praxis umzusetzen.

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Wie und wo haben wir vor 10 Jahren Musik, Bücher, Reisen, Kleidung oder Elektronik gekauft? Und heute? Auf unsere eigenen Unternehmen heruntergebrochen, müssen wir uns also stetig fragen, wie sich unser Marktumfeld verändert hat und wie wir darauf reagieren können. Wenn Sie heute zwar gute oder sehr gute Bilanzen haben, sie aber gleichzeitig das mulmige Gefühl haben, dass das nicht ewig so weitergehen wird, dass sich eben etwas ändern muss, um diese Erfolge nachhaltig zu reproduzieren – dann liegen Sie sehr wahrscheinlich exakt richtig.

In Krisenberatungen stellt sich immer wieder heraus, dass eine Unternehmenskrise ganz häufig das Ergebnis nicht erkannter Marktveränderungen und deshalb ausgebliebener Anpassungen ist. Unternehmen in der Krise haben jedoch meist deutlich kleinere Handlungsspielräume. Die Wahrscheinlichkeit die Zukunft des Betriebes nachhaltig erfolgreich zu gestalten, verringert sich dann extrem.

Nachdem es in diesem Beitrag darum gegangen ist, notwendige Veränderungen rechtzeitig zu erkennen, soll es im nächsten Beitrag darum gehen, wie Anpassungsprozesse umgesetzt werden können.
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