von Markus Zimmermann (Kommentare: 0)

Unternehmer

Den Menschen im Allgäu sagt man ja einen gewissen Hang zur Sparsamkeit nach. Leider machen aber auch wir als Allgäuer Unternehmensberater immer wieder die Erfahrung, dass gute Unternehmer, die ihr Geschäft verstehen, es mit großem Einsatz betreiben und dabei Gewinne erwirtschaften, immer knapp bei Kasse sind.

Es tut mir leid. Ich würde Ihnen viel lieber eine „Heldenreise“ mit Happy-End anbieten. Das Unternehmen aus dem ich heute berichte, läuft. Es läuft sogar gut. Man schreibt hohe Gewinne. Wir begleiten den Betrieb seit mehr als 10 Jahren. In dieser Zeit haben wir die feste Überzeugung gewonnen, dass die Geschichte nicht mit einem Happy-End, sondern in Kempten oder Memmingen enden wird – beim zuständigen Insolvenzgericht.

Das mag hart klingen. Es ist für uns, seine Berater, ein Dilemma. Der Unternehmer ist ein ausgesprochen netter, herzlicher Mensch, zu dem uns nach all den Jahren ein fast freundschaftliches Verhältnis verbindet. Wir mögen ihn und würden viel tun, um das vermutete Ende zu verhindern. Ich fürchte jedoch, dass wir nichts werden tun können.

Irgendwo im Allgäu hat der damalige Gründer und heutige Unternehmer vor mittlerweile mehr als 10 Jahren den besagten Betrieb samt Immobilie zu sehr günstigen Konditionen erworben. Wir haben die Existenzgründung als Unternehmensberater von der ersten Minute an begleitet. Der damalige Verkäufer stand unter großem Druck. „Unser“ Existenzgründer hat ein wirkliches Schnäppchen gemacht. Der Verkehrswert der erworbenen Substanz hat sich binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt.

Mit Fleiß und Geschick ist es dem Gründer auch gelungen den Geschäftsbetrieb voranzubringen. Drei Jahre nach dem Unternehmenskauf hatte er den Umsatz verdreifacht. Die tatsächlich erwirtschafteten Gewinne haben die ursprüngliche Geschäftsplanung bei Weitem überschritten. Die Wachstumsraten sind mittlerweile natürlich etwas abgeflacht. Man hat jedoch die ganzen Jahre sehr, sehr ordentliche Gewinne erwirtschaftet. Wir fragen uns als Unternehmensberater immer wieder, wie es ihm gelingt aus diesem Betrieb derartige Ergebnisse zu erwirtschaften.

So gut die Ertragslage des Betriebes auch sein mag. Die Vermögens- und die Finanzlage des Unternehmens jedoch sieht aus, wie bei einem Betrieb in einer schweren und anhaltenden Unternehmenskrise:

  • die verzinslichen Verbindlichkeiten stagnieren seit 12 Jahren, was einerseits getilgt wird, wird andererseits an neuen Schulden aufgebaut,
  • Lieferanten müssen immer wieder auf Raten bezahlt werden.
  • Rücklastschriften sind an der Tagesordnung.
  • Die Steuern auf die Gewinne und selbst die Durchlaufsteuern können meist nicht pünktlich beglichen werden. Die Finanzbehörden drohen immer wieder mit Vollstreckungsmaßnahmen.
  • Immer wieder schlagen Mahnbescheide im Unternehmen auf.

Wie kann das alles sein? Es ist leider so, dass es dem Unternehmer – trotz seiner hohen Gewinne – nicht gelingt die Privatentnahmen mit den Gewinnen in Einklang zu bringen. So konsequent und gut er seinen Job auf der Einnahmenseite macht, so schlimm sieht es auf der Ausgabenseite aus.



Leider ist unser Freund hier kein Einzelfall. Wir haben in den letzten Jahren viele Unternehmen von innen kennenlernen dürfen. Wenn ich mir die – Gott sei Dank wenigen - Fälle ansehe, die gescheitert sind, kann ich verschiedene Muster feststellen:

  • Fast immer hat den betreffenden Unternehmern die Fähigkeit gefehlt mit Geld umzugehen – oder landläufig ausgedrückt: auch mal zu sparen.
  • Unternehmer, die privat nicht mit Geld umgehen können, deren private Ausgaben die Einnahmen übersteigen, schaffen es im Betrieb auch nicht. Woher auch?
  • Vielleicht überrascht Sie die folgende Beobachtung. Unordnung auf dem Hof, in den Hallen, den Büros oder im Lager eines Unternehmens, geht extrem oft mit „Unordnung“ in der Bilanz des Betriebes einher.

Wir haben Existenzgründer erlebt, die in der Startphase ihrer Betriebe von 1.000 Euro im Monat gelebt haben und davon noch 100 Euro gespart haben. Wir haben andererseits ein Freiberufler-Ehepaar gesehen, dass trotz eines zu versteuernden Jahreseinkommens in Höhe von 1,3 Millionen Euro in die Sanierungsabteilung ihrer Hausbank übergeleitet werden musste.

Natürlich werden Sie jetzt sagen. „Schön blöd, wenn ich 1,3 Millionen Jahreseinkommen hätte, würde ich natürlich etwas zurücklegen. Jetzt aber reicht es nicht zum Sparen, weil ...“

Die Wahrheit jedoch ist hart. Die Fähigkeit mit Geld umzugehen und es zu vermehren, hat nichts mit der Höhe der Einnahmen zu tun. Es ist eine Gewohnheit, die ganz allein von den eigenen Prioritäten abhängt. 

Der Gründer von vorhin, ein bodenständiger junger Allgäuer, war vor seiner Selbstständigkeit abhängig beschäftigt und hat dort 2.700 Euro netto verdient. Er hatte auch entsprechende Verpflichtungen. Es hat jedoch immer zu seinen Gewohnheiten, zu seinem Naturell gehört einen Teil seines Einkommens wegzulegen. Das hat er dann in der kargen Startphase seines Unternehmens auch weiterhin, mit deutlich kleineren Summen so gehandhabt.

Wir wollen in unserem Blog und mit diesem Beitrag natürlich nicht moralisieren oder Ihnen den Spaß verderben. Natürlich sollen Sie sich etwas gönnen. Sie arbeiten hart dafür. Allerdings haben wir als Berater Existenzen an einem zu laxen Umgang mit privaten und geschäftlichen Ausgaben zugrunde gehen sehen. Deshalb liegt uns viel an dem Thema.

Wie also kann man sich als Selbstständiger selbst disziplinieren?

Mehrkontenmodell

Wenn ein positiver Umgang mit Geld also eine Gewohnheit ist, kann man diese Gewohnheit auch entwickeln. Diejenigen, die sich mit dem Haushalten manchmal schwer tun, könnten im Privaten beispielsweise mehrere Konten anlegen. Ein Lebenshaltungskonto, ein Spaß-Konto und ein Spar-Konto. Wichtig ist, dass die Überweisungen auf das Spaß- und das Sparkonto am Monatsanfang per Dauerauftrag erfolgen. Wenn das Spaßkonto leer ist, ist es leer!

Unsere Erfahrung ist ganz klar: Wer das im Privaten nicht hinbekommt, wird es auch im Geschäftlichen nicht schaffen. Es mag Ausnahmen geben – ich kenne aber keine.

Reichweite

Als Unternehmensberater analysieren wir berufsbedingt die wirtschaftlichen Verhältnisse von verschiedenen Betrieben im Allgäu. Eine Kennziffer werten wir dabei, mehr für uns selbst, immer aus. Uns ist kein besserer Ausdruck eingefallen, darum nennen wir die Zahl Reichweite der finanziellen Mittel. Dabei geht es um betriebliches Sparen.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen kann jedem Unternehmen einmal die Situation blühen, dass bisherige Umsätze in kürzester Zeit radikal wegbrechen. In der Reichweite versuchen wir auszudrücken, wie lange das Polster eines Unternehmens – in verschiedenen Szenarien – reichen würde, um eine solche Phase ohne frische Kredite zu überstehen.

Leider ist es nach unserer Erfahrung so, dass selbst die ertragsstarken Betriebe, die sich weit weg von einer wirklichen Unternehmenskrise wähnen, sofort oder zumindest sehr schnell frisches Geld von Außen bräuchten, weil alles erwirtschaftete Cash unmittelbar – und sei es in Wachstum – reinvestiert wird.

Wir glauben aber, dass es auch als Betrieb sinnvoll sein kann, einen Teil seiner erwirtschafteten, finanziellen Mittel nicht sofort zu reinvestieren, sondern zu sparen und in Cash vorzuhalten. Die Aussicht bei einem Umsatzeinbruch um 50 % die tatsächlichen Fixkosten für mindestens drei Monate aus eigenen Cash-Beständen abfedern zu können, hielte ich als Unternehmer schon irgendwie für beruhigend. Finden Sie nicht?

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich Fußball-Fan. Erlauben Sie mir deshalb abschließend ein Zitat aus der Fußball-Welt zum Thema Geld und Sparen, das ich ziemlich witzig finde.

"Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben … den Rest habe ich einfach verprasst."
George Best, englische Fußballlegende

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