von Markus Zimmermann (Kommentare: 1)

Unternehmenssanierung

Sanierung klingt in den Ohren eines Unternehmers nicht gut. Dass aus einer verfahrenen Situation mit einem durchgängigen Konzept und disziplinierter Arbeit etwas Gutes erwachsen kann, zeigt diese Geschichte.

Zum Frühlingsbeginn will ich Ihnen eine optimistische Erfolgsgeschichte einer Unternehmerfamilie erzählen, die ihr Unternehmen aus einer schwierigen Situation befreit und in eine wirtschaftlich erfolgreiche Phase geführt hat.

Die Ausgangssituation

Der Betrieb bietet Dienstleistungen in einer Tourismusregion an. Zu Beginn des Sanierungszyklus hatte das Unternehmen eine ganze Reihe von Problemen:

  • Das Eigentum an Immobilie und Geschäftsbetrieb lag beim damals schon betagten Senior, der das operative Geschäft jedoch seinen Kindern überließ. Die Kinder hatten in dieser Konstellation keine unternehmerischen Risiken zu tragen.
  • Das Geschäft wurde ursprünglich von der Mutter betrieben. Nach deren Tod wurden die fälligen Versicherungsleistungen nicht direkt zur Tilgung der Schulden, sondern aus steuerlichen Gründen zunächst an die Kinder gegeben. Die haben das Geld wiederum als Darlehen an das Unternehmen weitergereicht. Alle Kinder hatten damit hohe Ansprüche gegen das Unternehmen.
  • Die gesamte wirtschaftliche Unternehmung hat damals weniger als eine Million Euro Umsatz pro Jahr gemacht. Das Unternehmen war aus steuerlichen Gründen jedoch in vier juristische Einheiten, mit vier Bilanzen gegliedert.
  • Der Kundenstamm hat sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess mit schlimmen Auswirkungen auf die Umsätze befunden. Die Erlöse waren in den Jahren vor Beginn der Sanierungsaktivitäten rückläufig. Das Marktumfeld war kompliziert.
  • An der Immobilie konnte aufgrund der hohen Verschuldung und dem daraus resultierenden Kapitaldienst über Jahre nichts gemacht werden. Der Investitionsstau war dementsprechend hoch.

Jedes dieser Probleme für sich betrachtet, war so einschneidend, dass es unter ungünstigen Umständen allein zum Scheitern der gesamten Unternehmung hätte führen können.

Drahtseilakt

Die Lösungen

Sie vermuten wahrscheinlich schon, dass es einer ganzen Reihe von Maßnahmen bedurfte, um das Unternehmen zu stabilisieren.

Familie
Die größte Herausforderung war, wie das immer so ist, die familiären Verhältnisse zu entflechten. Ein Betrieb mit doch überschaubarer Größe, kann in aller Regel sowohl aus wirtschaftlichen, wie auch aus menschlichen Gründen, nur von einem Familienstamm getragen werden. Die Einsicht der anderen Töchter, dass sie das Unternehmen verlassen müssen, um sich fortan eine eigene Existenz aufzubauen, musste erst in vielen emotionalen Gesprächen wachsen. Die Tatsache, dass alle Kinder aus den durchgeleiteten Darlehen einen Führungsanspruch abgeleitet haben, machte die Suche nach einer tragfähigen Lösung erst richtig kompliziert. Letztlich und sehr kurz bevor das Unternehmen wirklich zu scheitern drohte, wurde ein Kompromiss gefunden. Danach würde der Senior an eine Tochter und deren Familie übergeben und die anderen Kinder das Haus verlassen. Die Darlehen der Kinder, die das Haus verlassen, wurden zu einem angemessenen Kurs abgefunden.

Gesellschaftsverhältnisse
Im Rahmen der Übergabe wurden die vier juristischen Unternehmen in eine klassische Betriebsaufspaltung mit einer Besitz- und einer Betriebsfirma überführt. Heute sind die wirtschaftlichen Verhältnisse zu jeder Zeit transparent und die Overhead-Kosten überschaubar. Das neue Konstrukt wurde vollständig an die Nachfolgerin übergeben. Der Senior ist aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Umsatzrückgang
Dem Problem des sich wandelnden Kundenstammes hat sich ein spezialisierter Berater mit großem Erfolg angenommen. Wir haben den Kollegen nicht gekannt. Der Mann kostet auch wirklich Geld, was mitunter auch von der Hausbank kritisiert wurde. Unserer Auffassung nach ist er jeden Cent davon wert.  Es wurden erfolgreich neue Zielgruppen definiert und umworben. Das Unternehmen wächst seither beständig.

Investitionsstau
Das Unternehmen war zu dieser Zeit finanziell ausgezehrt. Eigenkapital war nicht mehr vorhanden. Aus eigener Kraft konnte man dem Investitionsstau nicht Herr werden. Insofern musste mit der Hausbank eine Lösung gefunden werden. Dass die Bank angesichts der damals hohen Gesamtverschuldung nicht beliebig neue Kredite gewähren würde, war allen Beteiligten klar. Es ist auch keine sinnvolle Lösung die Verschuldung eines Unternehmens immer weiter nach oben zu treiben.

Wir haben der Bank deshalb vorgeschlagen, sie möge über mehrere Jahre weitestgehend auf die Tilgungen verzichten und im Hinblick auf die Zinsen eine Sanierungskondition gewähren. Die ersparten Beträge sollten tatsächlich angespart und in verschiedenen Abschnitten investiert werden. Der Plan wurde sehr strikt danach ausgerichtet, welche Investitionen tatsächlich und schnell zu neuen Umsätzen führen. Die Bank hat diesen Plan kooperativ begleitet.

Das Ergebnis

Aufgrund des guten Marketings konnten die Erlöse während der gesamten, mehrjährigen Sanierungsphase kontinuierlich gesteigert werden. Gleichzeitig wurden die Kosten signifikant gesenkt. Durch den reduzierten Kapitaldienst einerseits sowie den Gewinnen andererseits standen nennenswerte Beträge für die anstehenden Investitionen zur Verfügung. Die Investitionen ihrerseits führten wieder zu neuem Geschäft. Sicher das Marktumfeld hat sich günstig entwickelt. Dennoch ist die Leistung der Unternehmerin und ihrer Familie gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sie und ihre Familie haben den entwickelten Sanierungsplan mit viel Fleiß und Disziplin über all die Jahre beharrlich verfolgt. Im Ergebnis hat der Betrieb heute eine ganz andere Größe. Die damals erdrückende Schuldenlast ist angesichts der heute erwirtschafteten Umsätze und Gewinne gut tragbar.

Es steht nun noch eine letzte, große Investitionsmaßnahme an. Nachdem mehrere Banken gesagt haben, Sie würden diese Investition gerne finanzieren, hat der Betrieb seine Kreditwürdigkeit offensichtlich wieder gewonnen. Das Unternehmen hat sich übrigens für seine langjährige Hausbank und gegen das billigste Angebot entschieden. Als Unternehmer verursacht es ja fast körperliche Schmerzen zuzugeben, dass die Bank hier vieles richtig gemacht hat.

Geschafft

Die Erfahrungen

Wir haben aus diesem Fall viel gelernt. Vielleicht können auch Sie von diesen Erfahrungen profitieren.

Familie
Alle Eltern wünschen sich, dass sich ihre Kinder gut vertragen und sich im Idealfall ein Leben lang gegenseitig begleiten. Ich auch. Leider erleben wir dies bei Geschwistern, die gemeinsam im Familienbetrieb tätig sind eher selten, um nicht zu sagen, so gut wie nie. Als Unternehmer sind wir täglich gefordert - manchmal auch harte - Entscheidungen zu treffen und diese zu kommunizieren. Dies gilt in ganz besonderem Maße, wenn es um die eigene Nachfolge geht. Die familiäre Unternehmensnachfolge stellt uns in unserer Beratertätigkeit mit Abstand vor die größten Herausforderungen. Es geht dabei so gut wie nie um Sachthemen, aber fast immer um Emotionen. Dennoch ist eine klare, sachliche Linie unerlässlich.


Steuerliche Optimierung
Natürlich soll ihr Steuerberater Ihre steuerlichen Verhältnisse optimieren. Das ist sein Job und ich bin sicher, dass er den gut macht. Wir erleben allerdings, dass in diesem Bestreben über das Ziel hinaus geschossen wird. 

Im gegebenen Fall waren die Overhead-Kosten für die verschiedenen betrieblichen Einheiten, sprich Buchhaltungen, Bilanzen, Kammerbeiträge usw. sehr viel höher, als die Steuerersparnis. Das Unternehmen hat jahrelang gar kein Geld verdient und demnach auch keine oder nur geringe Ertragssteuern zu zahlen. Der betriebswirtschaftliche Überblick ist über dieser komplizierten Struktur völlig verloren gegangen. Das System wurde installiert. Dann gab es aber niemanden, der die Daten regelmäßig wieder zusammengeführt hätte, um dem Unternehmer zu sagen, wie sein Laden eigentlich steht.

Was den Verrechnungsweg der Versicherungsleistungen über alle Kinder zurück zum Unternehmen anbelangt, habe ich eine eindeutige Meinung. So groß kann der Steuervorteil gar nie sein, dass man ein Unternehmen solchen Abhängigkeiten aussetzt. Jedes der Kinder hätte ohne die zäh errungene Verhandlungslösung einen Rückzahlungsanspruch gegenüber dem Unternehmen gehabt, der ganz sicher zur Insolvenz des Betriebes und des Seniors geführt hätte. Die Intention der dem Geld zugrundeliegenden Versicherungsleistungen war aber immer, im Todesfall der Unternehmerin die Schulden des Betriebes zu tilgen.

Als Unternehmer würde ich mir doch sehr genau überlegen, ob ein schickes Steuersparmodell eine hässliche Scheidung oder ein grundlegendes Zerwürfnis mit einem Kind auch wirklich übersteht. Leider müssen wir diese Auseinandersetzungen bei unseren Kunden immer wieder erleben. 

Beratung
Na klar, werden Sie denken. Irgendwie müssen die ja Ihre Existenz rechtfertigen. Nun, ich glaube aber wirklich, dass es an verschiedenen Stationen im Unternehmerleben Sinn ergibt, sich Rat von Außen zu holen. Das hat die heutige Unternehmerin im beschriebenen Fall intensiv und erfolgreich getan. Die mit Hilfe des „Marketingmanns“ erzielten Ergebnisse sind ganz einfach messbar. Im Hinblick auf die Bautätigkeit wurde jede getätigte Investition von einem spezialisierten Büro professionell durchgeplant. Da wurde nicht einfach zum Handwerker gesagt: "Mach mal!". Nicht ein einziges Mal wurden die Kosten überschritten. Ich meine auch, dass wir dazu beitragen konnten die Gesellschaftsseite und die finanzwirtschaftlichen Verhältnisse nachhaltig zu klären und zu sortieren.

Steve Jobs kann man mögen oder nicht. In seiner Biografie heißt es, er habe immer darauf geachtet nur mit Spezialisten – und dabei natürlich den Besten - zu arbeiten. Apple dürfte heute eines der reichsten Unternehmen der Welt sein.

Soweit für heute. Schön, dass Sie hier angekommen sind. Ich hoffe, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat und freue mich über jede Rückmeldung.

 

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1 Kommentar/e

Kommentar von RB

Wir hatten früher auch eine gewerbliche Verpachtung und zwei Gesellschaften für unser kleines Geschäft. Richtig ausgekannt hat sich da niemand mehr.