von Markus Zimmermann (Kommentare: 0)

Liquidation

Für leidenschaftliche Unternehmer gibt es wahrscheinlich nichts Schwierigeres als den richtigen Zeitpunkt und die richtige Form für den eigenen Ausstieg aus dem Unternehmen und damit meist aus dem Berufs- und Geschäftsleben zu finden. Häufig wird viel zu spät und dann mit aller Macht innerhalb der eigenen Familie übergeben.

Passend zur Jahreszeit erzähle ich Ihnen heute aus einem düsteren, wirklich tragischen Fall, der uns auch persönlich sehr berührt hat. Eine viele Jahre erfolgreiche Unternehmerfamilie hat sich dabei ohne Not in eine Situation manövriert, die fast zum Verlust des gesamten Lebenswerks geführt hätte.

Liquidation

Die Ausgangssituation

Das Unternehmen ist ein Gewerbebetrieb, der sich in einer sehr traditionellen, aber durchaus ertragsstarken Branche bewegt. Als wir vom Sohn des Unternehmers kontaktiert wurden, war die Situation fast ausweglos:

  • Ein institutioneller Gläubiger hatte Insolvenzantrag gegen das Unternehmen gestellt. Die Frist, um auf diesen Antrag reagieren zu können war fast abgelaufen.
  • Bei der Hausbank lagen 20 Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse vor. Das Geschäftskonto war demnach gesperrt.
  • Sieben weitere Gläubiger haben versucht titulierte Forderungen über den Gerichtsvollzieher beizutreiben.
  • Darüberhinaus gab es rund 20 weitere Gläubiger, die zu diesem Zeitpunkt jedoch keine vollstreckbaren Titel hatten.

Im Grunde ist das eine Situation in der wir normalerweise sagen würden: Es wäre doch das Beste für alle Beteiligten, wenn ein Insolvenzverwalter käme und die Situation professionell auflösen würde. Außergerichtlich kann man in diesem Stadium eigentlich nichts mehr machen.

Die Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse des weit über siebzigjährigen Einzelunternehmers hat jedoch ergeben, dass die Vermögenswerte die Schulden bei Weitem übersteigen dürften. Was war passiert? Der Unternehmer war sein ganzes Berufsleben lang auf sein Handwerk fokussiert. Wie das oft so ist, hat die Frau „halt das Büro gemacht.“ Die Ehegattin ist jedoch im Laufe der Jahre auch an Ihre Grenzen gestoßen und so wurde der durchaus gut ausgebildete Sohn mit in das Unternehmen geholt. Der Sohn sollte die Führungsaufgaben zuverlässig übernehmen. Leider ist der Sohn einmal gänzlich ungeeignet für den Unternehmerberuf und so hat das Unheil seinen Lauf genommen. Es hat eine Entwicklung begonnen, an deren Ende die Eingangspost nicht mehr bearbeitet wurde. Die Partner des Unternehmens konnten gar nicht mehr anders, als ihre Rechte mit aller Macht gerichtlich durchzusetzen. Es wurde ja nicht mit ihnen kommuniziert.

Liquidation

Die Lösungen

Eine solche Situation erfordert es – zumindest unserer Meinung nach – zunächst immer ausführliche anwaltliche Beratung einzuholen. In einem solchen Umfeld kann jeder Fehler nur schwer korrigierbare Probleme auslösen.

Abgesehen von den juristischen Rahmenbedingungen, war uns als externe Dritte das Projektziel relativ schnell klar. Es konnte nur darum gehen den Betrieb so schnell wie möglich zu liquidieren, um die Gläubiger aus den Liquidationserlösen voll zu befriedigen. Allerdings braucht man dazu Zeit, die von den Gläubigern gewährt werden muss. Unter den gegebenen Umständen würden sich die institutionellen Gläubiger (Krankenkasse, Finanzbehörden und gegebenenfalls auch die Bank) niemals auf ein Konzept einlassen, das die Fortführung des Betriebes – in welcher Form auch immer – vorsieht. Es haben sich in der Vergangenheit bereits vollstreckbare Titel, Insolvenzanträge durch Gläubiger und weitere, unschöne Dinge im Umfeld des Unternehmens abgespielt. Die betreffenden Gläubiger konten also kein Interesse daran haben, dass durch weitere Betriebstätigkeit neue Beitrags-, Steuer- oder andere Schulden entstehen – die dann wieder ausfallgefährdet sind. Insofern war klar, dass es Zeit nur gegen das nachprüfbare Versprechen eines endgültigen „Schlussstrichs“ geben würde.

Unternehmer
Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass die Familie den Druck den auch ungeöffnete gelbe Briefumschläge ausüben, gespürt haben muss. Wir waren wirklich der Annahme, dass eine Betriebsaufgabe befreiende Wirkung hätte haben müssen. Weit gefehlt.

Insbesondere der Sohn hat anfänglich versucht sich, ungeachtet aller Probleme und seinem in der Branche vollkommen ruinierten Ruf, an das Unternehmen zu klammern. Es hat tatsächlich gedauert und die klaren Ansagen der Gläubiger benötigt, um ihm klar zu machen, dass dieser Betrieb nicht fortgeführt werden kann. Zu dieser Zeit hat jeden Tag die Gefahr bestanden, dass das Insolvenzgericht aufgrund des Gläubigerantrages die (vorläufige) Insolvenzverwaltung anordnet. Ein solches Verfahren ist transparent – aber auch nicht ganz billig. Die Vollbefriedigung der Gläubiger aus dem Betriebsvermögen wäre dann jedenfalls ungleich komplizierter geworden. Im Ergebnis hätten die Eltern Bedenken haben müssen, ob sie das selbstgenutzte Wohnhaus würden behalten können. Eine Horror-Vorstellung!

Dennoch war der Sohn der Auffassung, man könne doch „im kleinen Umfang“ weitermachen. Er ist ein gut ausgebildeter, definitiv nicht unintelligenter Mensch mittleren Alters. Für uns war das einfach. Wir sind davon ausgegangen, dass er mit seiner Ausbildung als abhängig Beschäftigter deutlich mehr verdienen kann, als das Unternehmen die letzten Jahre erwirtschaftet hat. Heute vermuten wir, dass es für ihn keine Rechenaufgabe war. Er hatte wohl vielmehr Angst vor einer Anstellung und den für sein Leben damit einhergehenden Veränderungen.

Gläubiger
Die Gespräche mit den unterschiedlichen Gläubigern waren zäh. Das Betriebsvermögen hat aus mobilem Sachanlagevermögen sowie einer Betriebsimmobilie bestanden. Unser Plan hat vorgesehen beides so schnell als möglich loszuschlagen, um aus den Erlösen die Gläubiger befriedigen zu können. Die Vermögenswerte haben die Schulden dabei, wie eingangs beschrieben, deutlich überstiegen.

Wir sind also auf die Gläubiger zugegangen und haben ihnen über einen Rechtsanwalt als Treuhänder eine werthaltige Grundschuld auf die Betriebsimmobilie angeboten, sofern sie im Gegenzug die (verzinste) Zeit zur Veräußerung des Vermögens gewähren.

In solchen Gesprächen erlebt man Verschiedenes. Manche Gläubiger sind total kooperativ. Andere sind grundsätzlich gesprächsbereit, müssen aber vom Konzept überzeugt werden. Wiederum andere widersetzen sich – zumindest anfänglich – hartnäckig jeder eigentlich noch so vernünftigen Lösung. Es braucht in diesen Gesrpächen neben einem verständlichen Konzept, Erfahrung, Geduld und Hartnäckigkeit um zu Lösungen zu kommen. Und die Chemie muss ein wenig stimmen.

Ich selbst wäre, sofern das Konzept stimmig ist, wohl einer der kooperativen Gläubiger. Ich bin fest der Meinung, dass auch Unternehmer in schwierigen Situationen solidarisch sein sollten. Allerdings haben wir im Moment einen Fall, indem wir Gläubiger sind. Wir fühlen uns da von unserem Schuldner schlicht veralbert. Es fällt schwer in einer solchen Situation Verständnis für den anderen zu entwickeln. Ich verstehe deshalb alle Gläubiger, die sich nach Jahren gebrochener Zusagen nicht sofort auf unsere Vorschläge einlassen wollten.

Abwicklungsvorgang
Der eigentliche Abwicklungsvorgang ist unspektakulär. Man schaltet die entsprechenden Profis ein, um die einzelnen Probleme zu lösen.

  • Aufarbeitung der administrativen Rückstände
  • Verwertung des mobilen Anlagevermögens
  • Überführen der Betriebsimmobilie in einen veräußerungsfähigen Zustand
  • Vermarktung der Immobilie durch einen beauftragten Makler

Wie das häufig in solchen Fällen ist, haben sich nach dem Bekanntwerden der Absichten sofort Optionen aufgetan. Es haben sich Interessenten für das mobile Anlagevermögen und die Betriebsimmobilie proaktiv gemeldet.

Das Ergebnis

Der Fall ist noch nicht beendet. Wir meinen auf einem guten Weg zu sein. Das gemeinsame Ziel, das wir für unseren Kunden befolgen, ist dabei

  • die Vollbefriedigung aller Gläubiger aus dem Betriebsvermögen,
  • im Umkehrschluss natürlich der Erhalt des privaten Wohnhauses und
  • die saubere Abwicklung des Unternehmens.

Sofern dies gelingen sollte, hoffen wir natürlich, dass unsere Kunden ohne den derzeitigen Druck wieder Lebensqualität zurückgewinnen. Mitzuhelfen das Leben unserer Kunden zu verbessern, ist seit jeher das Leitmotiv unserer Arbeit.

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