von Markus Zimmermann (Kommentare: 1)

Investitionsplanung

Den meisten unserer Kunden geht es derzeit gut. Das Allgäu boomt im Moment überall, nicht nur in und um die größeren Städte Kempten, Kaufbeuren und Memmingen. Die Wirtschaft investiert kräftig. Im heutigen Beitrag möchte ich über die regelrecht geldwerten Vorteile einer frühzeitigen, finanziellen Planung größerer Investitionen berichten.

Investieren und damit etwas Neues gestalten, macht – glaube ich – den allermeisten Unternehmern großen Spaß. Es ist für uns Menschen einfach schön zu sehen, wenn sich lang gehegte Ideen oder gar Träume verwirklichen. Die Unwägbarkeiten, die gerade mit größeren Investitionen verbunden sind, werden wohl deshalb auch von gestandenen Unternehmern immer wieder unterschätzt.

Kürzlich waren wir bei einer erfahrenen Unternehmerfamilie im Altlandkreis Marktoberdorf zu einem Gespräch eingeladen. Der relativ große Handwerksbetrieb hat die Möglichkeit an einem anderen Standort ein weiteres Standbein aufzubauen. Die perfekt ausgebildete und sehr motivierte Tochter des Unternehmers ist unseres Erachtens im genau richtigen Alter, um sich beim Aufbau des weiteren Geschäftsfeldes zu bewähren. Eine besonnene, junge Frau, die eine gute Unternehmerin werden wird. Sie hat sich viele, wirklich gute Gedanken zum Geschäftsmodell, zur Marketingstrategie, zur Gestaltung der Immobilie am Standort, eigentlich zu allen wirklich wichtigen Themen gemacht. Aber es waren eben erste Gedanken. Ein durchgängiges oder gar durchgerechnetes Konzept war und ist schlicht nicht vorhanden. Um das gemeinsam zu ändern, hat sie Kontakt mit uns als Unternehmensberatung aufgenommen.

Als Unternehmensberater sind wir dann eher am vermeintlich erfahrenen Unternehmer-Vater erschrocken. Für ihn war das gesamte Projekt im Grunde nur ein Finanzierungsthema:

  • Gibt die Bank das Geld?
  • Zu welchen Zinsen bekommt die Tochter das Geld?
  • Kann die Tochter öffentliche Existenzgründungskredite beanspruchen?
  • Gibt es andere Zuschüsse?

Das sind zweifelsohne entscheidend wichtige Fragen. Nur stehen sie systembedingt ganz am Ende eines Investitionsplanungsprozesses. Die Tochter wollte von uns durch die Investition begleitet werden. Ich habe ihr unser Gespräch in einer E-Mail zusammengefasst und erläutert, wie wir die Begleitung von derartigen Projekten in vielen anderen Fällen erfolgreich angegangen sind. Zwei Wochen später ruft mich der Vater – während des Urlaubs der Tochter – an und fragt, wie es denn jetzt nun mit einem Banktermin aussehe. Man habe bereits angefangen zu bauen und er habe mir doch gleich gesagt, dass das alles ganz schnell gehen muss. Wir sprechen – wohlgemerkt – von einer unternehmerischen Entscheidung, die idealerweise Jahrzehnte Bestand haben soll.

Nach diesem Telefonat ist die Idee zu diesem Beitrag entstanden ist. Diesen Blog schreiben wir ja unter anderem deshalb, um unsere Leser an unseren und den Erfahrungen anderer Unternehmer teilhaben zu lassen. Unserer Meinung nach stimmt im oben beschriebenen Fall die Reihenfolge nicht und noch schlimmer es fehlen wesentliche Bausteine und Grundlagen, um überhaupt eine halbwegs valide Investitionsentscheidung treffen zu können. Die Vorgehensweise des Vaters ist nach unserer tiefen Überzeugung falsch und unprofessionell und wird am Ende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Geld kosten.

Wir durften die letzten Jahre einige Millionen Euro Investitionen begleiten. Dabei hat sich eine bestimmte Herangehensweise als erfolgversprechend herauskristallisiert.

Analyse und Planung

Wir sind nicht nur der Auffassung, sondern sehr fest davon überzeugt, dass im Vorfeld einer Investition exakt analysiert werden sollte, ob sich diese auch rechnen wird. Wir haben leider schon zu viele Unternehmer gesehen, die aus drei Kapazitätsengpässen im Jahr geschlossen haben, dass sich eine Erweiterung eben dieser Kapazitäten „auf jeden Fall“ auszahlen wird, um dann das genaue Gegenteil zu erfahren. Bevor größere Summen in die Hand genommen werden, sollten ein paar Fragen analytisch und im Idealfall durch Zahlen belegt, beantwortet werden.

  • In welchem Zustand befindet sich der Markt, in den ich investieren möchte und wie sind die Zukunftsaussichten im Segment? Stimmt das Geschäftsmodell nachhaltig?
  • Wie reagiert der direkte Wettbewerb auf die Ausweitung / Schaffung neuer Kapazitäten durch uns?
  • Haben wir die Mitarbeiter, um die neue Investition auslasten zu können und wenn nicht, wie wollen wir sie in Zeiten prekären Fachkräftemangels gewinnen?
  • Gibt es rechtliche Hürden und Auflagen, die eine Investition erschweren?
  • Können wir uns die Investition leisten? Das ist eine vollkommen andere Frage, als „bekommen wir die Investition finanziert?“
  • Wieviel neuen Umsatz müssen wir aufgrund der Investition generieren, um kapitaldienstfähig zu bleiben und/oder die angestrebten Ertragsziele zu erreichen? Ist dieser rechnerische Mehrumsatz realistisch?

Die Liste der Fragen ließe sich fortsetzen. Sie sehen aber auch so, dass wir der Auffassung sind, dass es im ersten Schritt überhaupt nicht um Finanzierung geht. Und zwar auch dann nicht, wenn alles aus Eigenkapital finanziert werden soll oder Ihre Hausbank nach einer ersten, losen Anfrage sofort sagt: „Klar, machen wir!“

Es geht, im eigenen Interesse des Unternehmers, zunächst einmal darum die Idee in Zahlen zu fassen. Eine Geschäftsplanung unter Berücksichtigung der Investition und der Rahmenbedingungen zu erstellen. Eine solche Planung kann niemandem eine Garantie dafür geben, dass die Investition am Ende funktionieren und zu Ertrag führen wird. Der Weg bis eine solche Planung steht, hilft in aller Regel jedoch unglaublich dabei die Auswirkungen, Chancen und Risiken eines solchen Vorhabens einzuschätzen. Sie können sich wahrscheinlich denken, dass wir den Einsatz eines erfahrenen Unternehmensberaters für die Begleitung der Planung als sinnvoll erachten würden Lächelnd

Die Kunden, die das Thema so angegangen sind, berichten ausnahmslos, dass sie ihre Entscheidung letztlich mit einem guten Gefühl getroffen haben – und dabei denke ich auch ganz besonders an einen Kunden aus dem Altlandkreis Füssen, der nach einem langen, ausführlichen Planungsprozess eines großen Projektes in einer schwierigen Branche, trotz bereits erfolgter Kreditzusage gesagt hat: „Stop! Nein, ich mache das nicht. Das Chance-Risiko-Profil passt nicht“. Der Planungsprozess hilft Unternehmern ganz sicher dabei die Investitionsentscheidung zu objektivieren und ergebnisoffen zu gestalten. Der Mensch neigt dazu Ideen, Träume oder Projekte, die er sich einmal eingebildet hat, auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Das kann gefährlich sein!

Finanzierung

Erst wenn die leistungswirtschaftlichen Auswirkungen der beabsichtigten Maßnahme einigermaßen plausibel erfasst sind, ist unserer Auffassung nach der Zeitpunkt gekommen, um über die Finanzierung zu sprechen. Und dabei werden Sie wieder eine gute Erfahrung machen. Jede seriöse Bank wird Ihre Planung schätzen. Einmal, weil sie das Projekt auf einen Blick erfassen kann. Was aber noch viel wichtiger ist. Die Bank sieht, dass Sie sich mit den betriebswirtschaftlichen Auswirkungen Ihres Vorhabens befasst haben. Der Handel mit Geld lebt ausschließlich vom Vertrauen. Die Bank muss darauf vertrauen, dass sie ihr Geld wiederbekommt. Da hilft es durchaus, wenn Sie darlegen können, dass Sie sich genau darüber, in Zahlen gefasste Gedanken gemacht haben.

Auch wenn es um die Finanzierung geht, ist die Reihenfolge wichtig. Die Anfrage sollte mit dem fertigen Konzept, aber unbedingt vor der Vergabe von Aufträgen stattfinden. Alle öffentlichen Finanzierungshilfen (Direktzuschüsse, zinssubventionierte Darlehen) sind mit einer Vorbeginnsklausel belegt. Das bedeutet, dass Fördermittel immer nur dann in Anspruch genommen werden können, wenn diese Reihenfolge eingehalten ist.

Selbst wenn keine Zuschüsse oder öffentlichen Darlehen in Anspruch genommen werden sollen oder können, ist es für uns logisch zunächst eine Finanzierung auszuhandeln und die Gelder dann auszugeben.

Ich erinnere mich gut, aber nicht gern an einen Fall, indem der Unternehmer dieses Prinzip nicht eingehalten hat. Der Unternehmer hat im festen Glauben, dass seine Hausbank dies schon finanzieren würde, Maschinen im Wert von knapp 300.000 € bestellt. Die Hausbank hat die Anfrage abgelehnt und die Finanzierung verweigert. Eine andere Bank konnte, auch aufgrund der komplizierten Sicherheitensituation, in der Kürze der Zeit nicht aufgetan werden. Wir haben mit den Maschinenherstellern rund drei Monate verhandelt, dass sie unseren Kunden mit einem halbwegs blauen Auge aus den Verträgen gelassen haben. Bis es so weit war, sind mehr als 30.000 € Kosten und Schadensersatz aufgelaufen.

Selbst wenn Ihre Bank nicht so radikal handeln würde. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass jede Bestellung ohne Finanzierungszusage die Chance auf die bestmögliche Finanzierungskondition deutlich verschlechtert?

Erlauben Sie mir den heutigen Beitrag mit ein paar Zahlen zu beschließen. Wir haben seit Jahresbeginn 2018 Konzepte mit vorgesehenen Investitionssummen von knapp 8 Millionen Euro begleitet. Die Projekte sind dabei ganz unterschiedlich. Es geht dabei beispielsweise um eine Industriehalle im Altlandkreis Füssen, eine Hotelrenovierung im Raum Sonthofen, die Anschaffung neuer Maschinen eines Unternehmens in Kempten oder auch den Bau eines neuen Betonfertigteilwerks. Ganz unterschiedliche Vorhaben eben.

Auf die Investitionssumme wurden mehr als 1 Million Euro Zuschüsse beantragt, einige sind bereits bewilligt. Ich habe auch das Gefühl, dass für diese Projekte sehr, sehr ordentliche Finanzierungskonditionen ausgehandelt werden konnten. Ich weiß, ich wiederhole mich: Funktioniert alles nur, wenn die in diesem Beitrag skizzierte Reihenfolge eingehalten wird. Mein Firmpate hat beim Arbeiten immer etwas gesagt, was ich bis heute gut finde und immer noch versuche zu beherzigen: „Zuerst besinn‘s und dann beginn‘s“.

Soweit für heute. Schön, dass Sie hier angekommen sind. Wir würden uns sehr über Rückmeldungen und Kommentare zu unserem Beitrag freuen. Wenn Ihnen unser Blog gefällt, wäre es schön, wenn Sie den Beitrag an einen oder mehrere Kollegen schicken oder in den sozialen Medien teilen würden. Nutzen Sie die entsprechenden Funktionen am Ende der Seite.

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1 Kommentar/e

Kommentar von BK

Super Beitrag und wirklich praxisorientiert und tauglich.
Weiter so

Antwort von Markus Zimmermann

Vielen Dank. Freut mich, wenn dir unser Beitrag gefallen hat. Wir bemühen uns, dass wir - wie gewünscht - so weitermachen :-)