von Markus Zimmermann (Kommentare: 0)

Fachkräfte gewinnen und halten

Ganz gleich wo wir zur Zeit hinkommen, unsere Kunden berichten uns fast übereinstimmend, dass sie mehr Geschäft machen könnten, wenn sie nur das geeignete Personal dafür finden würden. Grund genug für uns einmal zu recherchieren, was in Klein- und Mittelbetrieben getan werden kann, um fähiges Personal zu finden und zu halten.

Mehr als 60 % der Berufstätigen in Deutschland arbeiten in Klein- und Mittelbetrieben. Knapp 80 % dieser Betriebe tun sich schwer entsprechend geeignetes Personal zu finden.

Die deutsche Wirtschaft wird nach einer Studie des Basler Forschungsinstitutes Prognos bis zum Jahr 2020 rund 1,8 Millionen Arbeitskräfte zu wenig haben. Es werden nach dieser Prognose rund 1,2 Millionen Menschen mit Berufsabschluss und etwas über 500.000 Hochschulabsolventen fehlen. Bei rund 32,6 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen, beträgt die Lücke bundesweit rein rechnerisch mehr als 5 %. Wir leben im Süden. Hier dürfte die Lücke ungleich größer sein.

Der Fachkräftemangel ist nach übereinstimmenden Erzählungen unserer Kunden im derzeitigen Boom die Wachstumsbremse schlechthin. Es ist zu jeder Zeit schwierig unterschiedliche Menschen zu einem erfolgreichen Team zusammen zu schmieden. Im Moment jedoch scheint im Personal die größte unternehmerische Herausforderung zu liegen. Was also können kleine und mittlere Unternehmen tun, um Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu halten?

Arbeitgeberattraktivität

Die Grundvoraussetzung für langfristige und stabile Mitarbeiterverhältnisse einerseits sowie die Fähigkeit gegebenenfalls auch neues Personal zu akquirieren, ist Arbeitgeberattraktivität. Dabei scheinen insbesondere die vier Faktoren Führung, Unternehmen, Materielle Anreize sowie der eigene Arbeitsplatz bedeutend zu sein.

Führung

Es mag ein wenig von der Branche abhängen, aber ganz grundsätzlich erwarten Mitarbeiter heute von ihren Vorgesetzten einen kooperativen, wertschätzenden Führungsstil. Die Zeiten streng hierarchischer Führung scheinen ihrem Ende entgegen zu steuern. Gute Mitarbeiter wünschen sich von ihren Vorgesetzten, dass sie Verantwortung übertragen bekommen. Sie wollen außerdem ein regelmäßiges und ehrliches Feed-Back bezüglich ihrer Arbeit. Fachkräfte erwarten jedoch auch, dass sie sachliche Kritik an ihren Vorgesetzten oder an betrieblichen Zuständen äußern können und diese Kritik auch ernst genommen wird.

Heutige Fachkräfte haben außerdem die Erwartungshaltung, dass regelmäßig mit ihnen über ihr eigenes berufliches Fortkommen gesprochen wird. Sie wollen keinesfalls wie Schachfiguren im Betrieb hin- und hergeschoben, sondern für neue Aufgaben begeistert werden.

Materielle Anreize

Natürlich spielt die Entlohnung eine wichtige Rolle für die Beurteilung der Arbeitgeberattraktivität durch die Mitarbeiter. In der Bezahlung sehen Mitarbeiter über das Monetäre hinaus auch eine Form der Wertschätzung. Sie wollen berechtigterweise leistungsgerecht bezahlt sein. Über die Festvergütung hinausreichende Erfolgsbeteiligungsmodelle sowie durchdachte Sachleistungssysteme entfalten darüber hinaus ganz offensichtlich Bindewirkung.

Entgegen aller landläufigen Meinungen sind die materiellen Anreize nach allen uns bekannten Studien jedoch nicht das alles entscheidende Kriterium für die Mitarbeiter. Kleinbetriebe haben auch im Boom eine Chance gegen größere Strukturen und Konzerne, wenn sie sich Gedanken darüber machen, was dem Mitarbeiter außer Geld noch wichtig ist.

Unternehmen

Eine überragende Bedeutung für die Attraktivität als Arbeitgeber hat für Beschäftigte und potentiell neue Mitarbeiter neben den direkten Vorgesetzten das Unternehmen selbst. Arbeitgeber, die innovativ sind, ihre Werte klar kommunizieren und ihrer sozialen Verantwortung sichtbar gerecht werden, sind für bereits beschäftigte und auch neue Mitstreiter anziehend. Menschen mögen es, Teil von Erfolgsgeschichten zu sein.

Nach einer Studie zum Randstad Award 2016 sind für die Arbeitgeberwahl fast ausschließlich Schlüsselfaktoren entscheidend, die das Unternehmen selbst beeinflussen kann:

Exkurs: Außendarstellung - Leitbild und Werte

Die Außendarstellung des Unternehmens ist insbesondere für die Gewinnung neuer Mitarbeiter und natürlich auch Kunden wichtig. Deshalb wollen wir an der Stelle ein paar zusätzliche Anregungen geben und aus zwei Beispielbetrieben erzählen.

Uns kommt das Thema Unternehmensleitbild in unseren Kundenbetrieben oft zu kurz. Ich weiß, dass das für die meisten hemdsärmligen und überaus fleißigen Unternehmer nicht greifbar ist. Ein typisches Beraterthema halt. Viel Gerede, wenig Ertrag. Ich kann Sie beruhigen. Ich habe das selbst jahrelang so gesehen, aber meine Meinung mittlerweile geändert.

Unternehmen jeder Größe sollten sich einmal die Arbeit machen und aufschreiben, was ihre „Mission“ ist, wem sie mit ihrer Arbeit nutzen wollen und welche Werte sie in ihrer eigenen Welt im Umgang mit anderen Menschen und Organisationen leben möchten. Dieser moralische Kompass ist langfristig wichtig, um glaubwürdig zu bleiben. Und Glaubwürdigkeit wiederum ist die wichtigste Währung gegenüber Kunden, Mitarbeitern und auch Lieferanten.

Wir sind eine betriebswirtschaftliche Beratungsfirma. Wir haben ganz bestimmt nichts gegen das Geldverdienen. Wenn der einzige Auftrag eines Unternehmens jedoch darin besteht, Geld für seine Eigentümer zu verdienen, wird es langfristig schwierig.

Ich glaube wir sind uns alle einig, dass die Finanzbranche, Banken, Versicherungen, Investmentfonds etc. tatsächlich gebraucht wird. Dennoch gibt es wohl keine Branche, die – teilweise auch vollkommen zurecht – ein so schlechtes Image hat. Für mich hängt das, neben fehlender Demut, auch damit zusammen, dass sie es jahrzehntelang nicht nötig gehabt haben zu vermitteln für welche anderen Werte, außer Geld und ungebührlicher Einflussnahme, sie stehen. Und die gäbe es. Ohne Finanzunternehmen würde die eigenkapitalschwache deutsche Wirtschaft sofort zusammenbrechen. Solange sich aber Leute, die für „Leistung aus Leidenschaft“ werben, in Jahren katastrophaler, betriebswirtschaftlicher Ergebnisse Millionenboni auszahlen lassen, wird sich die mehrheitliche Wahrnehmung nicht ändern. Da können sie noch so viel Geld in bunte Kampagnen stecken.

Um zum Thema zurückzukehren. Ich habe ursprünglich den Beruf des Bankkaufmanns erlernt. Dieser Beruf war damals begehrt, auf jeder Liste der gewünschten Ausbildungsberufe ganz oben. Heute schafft es diese an und für sich tolle, vielseitige Ausbildung in guten Jahren noch auf Platz 9 oder 10.

Der Niedergang des Ansehens der Finanzbranche beweist, dass es für Unternehmen wichtig ist, sich zu überlegen und vor allen Dingen auch zu kommunizieren, wem das eigene Tun eigentlich nutzen soll und welche Werte man leben möchte. Der geschaffene Nutzen darf in einem marktwirtschaftlichen System dann selbstverständlich zu Gewinnen, gerne auch hohen Gewinnen führen.

Ich glaube außerdem, dass auch kleine Betriebe aus schierem Eigennutz ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden sollten. Nun wird man sich darüber streiten können, ob beispielsweise die Unterstützung eines Sportvereines etwas Soziales hat. Ich meine ja, weil Vereine mithelfen die Gesellschaft zusammenzuhalten.

Ein sehr erfolgreiches Allgäuer Unternehmen unterstützt einen derzeit ebenfalls erfolgreichen Verein in einer Mannschaftssportart. Man nimmt dabei nicht nur ordentlich Geld in die Hand. Vielmehr engagiert sich der Unternehmer persönlich für den Verein. Den Mitgliedern und Fans der Mannschaft ist durch entsprechende Werbemaßnahmen bekannt, wer hinter den jüngsten Erfolgen steht. Als das Unternehmen nun auf der Suche nach neuen, qualifizierten Mitarbeitern war, hat der klassische Weg über Zeitungsanzeigen und auf der Seite des Unternehmens zunächst nicht zum Erfolg geführt. Der Unternehmer hat die Stelle dann auf der Facebook-Seite des von ihm unterstützten Vereins geschaltet. Er musste den Post nach wenigen Tagen wieder aus Facebook nehmen, weil die Zahl der guten Bewerbungen die zeitlichen Kapazitäten im Hinblick auf die Vorstellungsgespräche gesprengt hätte.

Ein anderer Betrieb beschäftigt ebenfalls viele Mitarbeiter aus ein- und dem selben Verein. Ich kenne den Betrieb nicht persönlich, wohl aber einige der Mitarbeiter. Dass die Mitglieder dieses Vereins gerne für das betreffende Unternehmen arbeiten ist kein Zufall. Der Unternehmer hat sich viele Jahre lang überaus stark in diesem Club engagiert. Auch auf seine Vereinsarbeit ist es zurückzuführen, dass dieses kleine Dorf heute über eine Sport-Infrastruktur verfügt, die ihresgleichen sucht. Der betreffende Unternehmer fördert noch heute das Engagement seiner Mitarbeiter für „seinen“ Verein. Im Laufe der Jahre ist eine enge Bindung zwischen Verein, Dorf und Unternehmen entstanden. Die Erfolge im Rekrutieren von Mitarbeitern mögen nicht nur an dieser Verbindung liegen. Der Betrieb hat ein gutes Image, tolle Gebäude, gilt als innovativ. Auch das Betriebsklima sei gut. Letztlich aber hat das soziale Engagement möglicherweise die Grundlagen für die Attraktivität als Arbeitgeber gelegt oder verbreitert.

Arbeitsplatz und Arbeitsplatzorganisation

Mit ausschlaggebend für die Arbeitsplatzwahl, insbesondere im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen, ist der eigentliche Arbeitsplatz und seine Organisation. Nach einer Umfrage der Handwerkskammern unter ihren Mitgliedsbetrieben schätzen Mitarbeiter folgende Faktoren ganz besonders:

  • Abwechslungsreiche Arbeitsinhalte
  • Freiräume bei der Ausführung von Arbeitsaufgaben
  • Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie (flexible Arbeitszeiten)
  • Möglichst flache Hierarchien
  • Zusammenhalt und Klima in der Gruppe oder im Team
  • Schnelle Entscheidungswege und überschaubare Bürokratie
  • Arbeitsumfeld (Helle Arbeitsplätze, schöne Büros, Aufenthaltsräume)
  • Ergonomie und betriebliches Gesundheitsmanagement

Nun wird sich in Klein- und Mittelbetrieben nicht die ganze Liste umsetzen lassen. Dennoch scheint es uns schon empfehlenswert zu sein darüber nachzudenken, wie der Arbeitsplatz von Mitarbeitern möglichst angenehm gestaltet werden kann – natürlich ohne, dass die betriebswirtschaftlichen Ziele des Unternehmens dadurch aus den Augen verloren werden. Ganz im Gegenteil meinen wir, dass ein als angenehm empfundener Arbeitsplatz durchaus geeignet ist, zu besseren betriebswirtschaftlichen Ergebnissen beizutragen.

Soweit für heute. Schön, dass Sie hier angekommen sind. In einem der nächsten Beiträge werden wir das Thema eventuell noch einmal aufgreifen, um nach dem Thema Arbeitgeberattraktivität ganz konkrete Beispiele zur Fachkräftegewinnung zu besprechen.

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